Kategorie: Kritik

WM 2014 Brasilien: Die besten interaktiven Grafiken

Auch zur diesjährigen Fußball-WM gab es wieder viele verschieden Ansätze, das Fußballgeschehen datenjournalistisch und multimedial aufzubereiten. Was am Ende zählt sind jedoch die Ergebnisse, und die lassen sich dieses Jahr wirklich sehen. WELTMEISTER! Trotzdem habe ich eine kleine, persönliche, Auswahl der zehn besten interaktiven Grafiken zur WM 2014 in Brasilien zusammengestellt.

10. Chartball: Who will win the World Cup?
Das Lieblingsspiel vor der WM: Raten wer Weltmeister wird. Chartball hat dazu eine sehr schöne Form der Visualisierung gefunden, auch wenn die Vorhersage nicht korrekt war. Die brasilianische Nationalmannschaft wurde ja allgemein schwer überschätzt – auch von den Kollegen bei FiveThirtyEight, welche die (falschen) Vorhersagen ebenfalls schick aufbereitet haben.

ChartballQuelle: http://chartball.com/projects/wc-powerrank/

 

9. Wall Street Journal: The Patterns of Penalties
Nette Auswertung der Elfmeter-Gewohnheiten der torgefährlichsten Schützen. Die Daten kommen von Opta, bei denen auch viele deutsche Redaktionen Kunde sind. Schade, dass niemand von den hiesigen Medien auf diese simple, aber interessante, Darstellung gekommen ist.

Wall Street Journal

Quelle: http://graphics.wsj.com/wc-penalty-kicks/

 

8. Tagesanzeiger: Tippinho
Die Schweizer drehen die Idee des WM-Tippspiels weiter und liefern ein Werkzeug, mit dem man selbst ausrechnen kann, wer Weltmeister wird. Die Schwierigkeit bei der Vorhersage von Spielergebnissen ist vor allem die unterschiedliche Gewichtung der einzelnen Faktoren, wie Zweikampfstärke, Offensivstärke und so weiter. Bei diesem Tippspiel kann man endlich selbst bestimmen, wie wichtig einem die einzelnen Faktoren sind. Am Schluss kann man noch mal an allen Reglern drehen und schauen welche Auswirken dies auf die Vorhersage hat. Statistik-Porno in HD.

Tagesanzeiger
Quelle: http://tippinho.tagesanzeiger.ch/

7. O Globo: Brasil jogo a jogo
Der brasilianische Nachrichtenmonopolist Globo visualisiert das Abschneiden des brasilianischen Kaders bei allen historischen Weltmeisterschaften. Schade nur, dass es die diesjährige WM noch nicht in die Auflistung geschafft hat. Kann ich aber verstehen.

O Globo
Quelle: http://infograficos.oglobo.globo.com/esportes/brasil-jogo-a-jogo.html

6. New York Times: How the world cup players are connected
Die Streber von der New York Times haben sich natürlich auch nicht lumpen lassen und visualisieren, wo die Spitzenspieler der Mannschaften schon überall gespielt haben. Die Grafik ist super, läuft aber selbst auf meinem goldenen Mac Book Pro nicht ganz flüssig. Meine Kollege von der SZ haben etwas ganz ähnliches versucht.

New York Times
Quelle: http://www.nytimes.com/interactive/2014/06/20/sports/worldcup/how-world-cup-players-are-connected.html

 

5. New York Times: The world’s ball
Ebenfalls von der New York Times kommen ein paar sehr schönen Animationen über den Aufbau der offiziellen WM-Bälle. Unbegreiflich ist nur, wieso man als Titel nicht „Balls of the World Cup“ gewählt hat. Wie konnte man den auslassen?

New York Times

Quelle: http://www.nytimes.com/interactive/2014/06/13/sports/worldcup/world-cup-balls.html

 

4. Google: What the world wanted to know during the World Cup
Schön aufbereitete Analyse der Suchanfragen während der WM-Spiele. Mir ist zwar unbegreiflich, wie man aus all den Suchanfragen derartige Informationen herauslesen kann, aber hey, immerhin ist das ein Projekt von Google.

GoogleQuelle: https://www.google.com/trends/worldcup?hl=en#/en-us/match/61/

 

3. Codehesive: World Cup ancestry
Der Londoner James Offer hat untersucht woher die Nationalspieler der einzelnen Kader kommen und wer das multiethnischste Team ist (Schweiz). Interessante Idee mit interessanten Ergebnissen.

Codehesive
Quelle: http://codehesive.com/wc-ancestry/

 

2. Bookmaker: The 12th man
Als zwölften Mann bezeichnet man gemeinhin die Fans eines Teams. Der britische Wettanbieter Bookmaker hat eine kleine Social Media-Analyse gemacht und ausgewertet welche Fans an welchem Tag am aktivsten waren. Die Ergebnisse sind recht vorhersehbar, trotzdem einen coole Anwendung.

BookmakersQuelle: http://bookmakers.co.uk/12th-man/

 

1. BBC International: Qual seleção tem o melhor histórico
Die BBC hat eine interessante historische Auswertung der WM-Ergebnisse gemacht. Spannend ist weniger die Darstellung, sondern eher die Filter, welche einem zum Beispiel die ewige Rivalität zwischen Deutschland und Italien zeigen und erklären. Wieso das ganze aber nur auf Portugiesisch verfügbar ist (oder?), mag mir nicht recht einleuchten.

BBC
Quelle: http://www.bbc.co.uk/portuguese/noticias/2013/12/131211_melhores_times_copa_vale_vj.shtml

Insgesamt gab es viele schöne Ideen und Umsetzungen. Es ist vor allem spannend zu sehen, wie immer mehr Unternehmen, welche nicht im Journalismus verwurzelt sind, sich mit Datenjournalismus und Storytelling beschäftigen. Etwa schade ist nur, dass die brasilianischen (Gastgeber-)Medien multimedial recht wenig zu bieten hatten. Egal. WELTMEISTER!

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Plädoyer für mehr Open Source im Journalismus

GitHub Repository der New York Times

Der Journalismus hat Schritt für Schritt seinen Weg ins Internet gefunden. Interaktive Anwendungen und Datenjournalismus spielen einen immer größer werdende Rolle. Webseiten und Werkzeuge werden programmiert und zunehmend auch Geschichten.

Genutzt werden Anwendungen (Software) im Journalismus vor allem auf vier Ebenen:

  1. Datengewinnung und -auswertung
  2. Speichern, Verwalten und Bereitstellen von Daten
  3. Darstellung von Daten und Inhalten in Karten, Diagrammen, Animationen etc.
  4. Kommunikation und Organisation des journalistischen Prozess‘

Der journalistischen Prozess hängt mittlerweile viel von digitalen Werkzeugen ab. Zudem interessieren sich immer mehr Journalisten für Daten(-journalismus) und Programmieren. Daher ist es an Zeit, eine der besten Ideen der Softwareentwicklung auf den Journalismus zu übertragen: Open Source.

Der Begriff Open Source bedeutet „Offenlegung des Quellcodes“ (englisch: Source Code). Open Source gewann vor allem mit der Verbreitung des Internets an Bedeutung. Viele Webtechnologien die wir tagtäglich – auch unbewusst – nutzen, sind Open Source. Sie können von jedermann genutzt, verbessert und weitergegeben werden. Die kommerzielle Verwendung ist meistens erlaubt. Open Source hat viele Vorteile, die sich auch der Journalismus zunutze machen kann.

  • Transparenz: Das Offenlegen des Quellcodes ermöglicht es zu verstehen, wie eine Anwendung oder eine Geschichte funktioniert. Was wird mit den Daten gemacht? Wie kommt man zu einer Darstellung? Nur ein Bruchteil der Leser  kann programmieren und damit den Quellcode auch nachvollziehen. Jedoch vermittelt Open Source allen das Gefühl, dass sie theoretisch die formale Richtigkeit der Geschichte überprüfen könnten.
  • Fehlerkorrektur: Transparenz erfordert aber auch Mut. Vor allem aber erfordert sie den Mut Fehler eingestehen zu können. Entdeckt jemand einen Fehler im Quellcode, kann dieser ausgebessert werden. Das ist möglicherweise ärgerlich, aber besser wie wenn die Wahlergebnisse für alle Zeiten falsch dargestellt werden.
  • Nutzbarmachung & Weiterentwicklung: Wenn man ein Werkzeug entwickelt hat um Balken-Diagramme darzustellen, wieso sollte man es nicht für andere zur Verfügung stellen? Die Offenlegung des Quellcodes hätte den Vorteil, dass das Werkzeug weiterentwickeln werden könnte. Wenn man das Werkzeug das nächste Mal braucht, ist es vielleicht noch besser geworden und kann auch Torten-Diagramme darstellen. Vielleicht gelingt es auch jemandem etwas ganz Neues zu schaffen.
  • Partizipation: Wenn man über den offensichtlichen Nutzen hinaus denkt, kann Open Source auch mehr Partizipation seitens der Leser ermöglichen. Wenn die Struktur einer Geschichte bekannt ist, ist es auch einfacher diese weiterzudrehen. Open Source Plattformen wie GitHub sind letztendlich Kollaborations-Tools, welche es ihren Benutzer ermöglichen, über Ländergrenzen und Zeitzonen hinweg, zusammenzuarbeiten.

Als Journalisten fordern wir gerne Transparenz und Offenheit von allen Seiten ein, doch leben wir diese Werte auch selbst? Wenn wir von der Bundesregierung eine klares Bekenntnis zu offenen Daten und transparenten Haushalten fordern, wäre es nicht einfacher, wenn wir vormachen könnten wie das funktioniert? Open Source würde uns helfen diesen Prozess zu formalisieren. Natürlich soll und wird Open Source den Journalismus nicht fundamental umkrempeln und auch nicht die großen Aufgaben des  21. Jahrhundert lösen (Stichwort: Monetarisierung journalistischer Inhalte im Internet). Open Source soll kein Dogma sein, sondern eher eine Kultur der Offenheit und des Teiles. Open Source Software ist auch nicht automatisch gut und fehlerfrei, was uns der Heartbleed-Bug nahe geführt hat.

Natürlich ist ein gewichtiger Grund gegen Open Source der ökonomische Wettbewerb zwischen den Medien. Wieso sollte ein andere Nachrichtenseite mein Werkzeug nutzen können, in das ich viel Zeit und Geld investiert habe? Meines Erachtens sollte der Wettbewerb zwischen den Redaktionen auf Basis von gut recherchierten und originellen Geschichten ausgetragen werden und nicht auf Grundlage von Werkzeugen. Der Aufwand für die Entwicklung von Werkzeugen wird geteilt und jeder kann von der Arbeit der Anderen profitieren.

Allgemein glaube ich, dass der grundsätzliche Wille zu Open Source da ist. Die über durch Open Source transportieren Werte sind den Werten des Journalismus sehr ähnlich. In Deutschland gibt es aber bisher nur wenige konkreten Beispielen, wie man Open Source umsetzen kann. Die wohl einfachste Lösung wäre es mit kleinen Projekten anzufangen, um sich dann zu steigern. Im angelsächsischen Raum funktioniert das schon ganz gut. Mehrere große Nachrichtenorganisationen sind schon bei GitHub vertreten, einer sozialen Plattform, auf der viele bekannte Open Source-Programme entwickelt werden.

Open Source hat die Softwareentwicklung revolutioniert. Den Journalismus wird Open Source nicht revolutionieren, aber besser machen. Es wird nur Zeit endlich damit anzufangen!

Unvollständige Liste der Nachrichtenorganisationen auf GitHub:
Zeit OnlineBerliner MorgenpostNews York TimesWashington PostProRepublicaLos Angeles TimesThe Guardian und La Nación.

Sehr lesenswert: Nikki Usher von George Washington University zu Open source and journalism: Toward new frameworks for imagining news innovation

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Sotschi 2014: Die besten interaktiven Grafiken

Zur Winterolympiade 2014 in Sotschi gab es dieses Jahr wieder einiges zu sehen. Mittlerweile stellt man jedoch eine gewissen Routine fest, was zum Beispiel die Darstellung von Zeitplänen, Ranglisten und so weiter angeht. Doch es gab auch echte Überraschungen: Ich stelle euch die – meine Erachten – besten zehn interaktiven Grafiken vor.


10. Zeit Online: So wird heute gedopt

Interessantes Thema abseits von Medaillen und Rekorden.

Zeit Online: Doping
Quelle: http://www.zeit.de/sport/2014-02/doping-olympische-spiele


9. Twitter: Two weeks of #Sochi2014 in 60 seconds
Gut gemachte Zeitrafferaufnahme aller Tweets zu Sotschi. Man merkt, dass Twitter mit Simon Rogers, vorher beim Guardian, einen echten Datenexperten an Bord hat.

Twitter: Sotschi Tweets
Quelle: http://cartodb.s3.amazonaws.com/static_vizz/sochi.htm


8. Zeit Online: Alternativer Medaillenspiegel
Zeit berechnet ihren Medaillenspiegel in dem die Ränge 1 bis 10 in die Wertung mit einbezogen werden. Daraus ergibt sich eine interessante neue Reihenfolge der Gesamtsieger.

Zeit Online: Medaillenspiegel

Quelle: http://www.zeit.de/sport/2014-02/alternativer-medaillenspiegel-nationenwertung


7. Neue Zürcher Zeitung: Iouri Podladtchikov
Persönliches, interaktives Feature über den russisch-schweizerischen Snowboarder und Olympiasieger Podladtchikov. Aufbereitet ist seine Siegesgeschichte im „Scrolly-telling“-Format mit eingestreuten interaktiven Infografiken.

NZZ: Iouri Podladtchikov
Quelle: http://iouri-in-sotschi.nzz.ch/


6. Fiasco Design: Interaktive Übersichtskarte im Comic
Nett gemachte Comic-Karte von Sotschi auf Basis von Mapbox.

Fiasco Design: Sochi map
Quelle: http://www.sochi2014interactivemap.com/#


5. Anti-Corruption Foundation: Comprehensive Corruption Report
Analytische Karte über die Kosten und Betrugsfälle rund um die Bauverhaben im Rahmen von Sotschi 2014. Die ACF scheint eine russische Bürgerrechtsgruppierung zu sein.

Anti Corruption Foundation
Quelle: http://sochi.fbk.info/en/report/


4. Washington Post: Are the Winter Olympics for the Rich?
Stück für Stück erklärt die Washington Post mit einer einfachen Grafik, wieso die Winterolympia vor allem was für Reiche (Länder) ist.

Washington Post: For the rich?
Quelle: http://www.washingtonpost.com/wp-srv/special/sports/2014-olympics/winter-vs-summer-olympics/

Die Washington Post hat außerdem noch ein paar andere interaktive Grafiken zu Olympia erstellt. Eine Übersicht darüber findet sich hier: http://www.washingtonpost.com/wp-srv/special/sports/2014-olympics/roundup/


3. Tagesanzeiger (Schweiz): So funktioniert… Slopestyle
Ein Sammlung verschiedener, sehr lieb gemachter, interaktiven Grafiken. Die einzelnen Grafiken haben zwar keinen hohen Interaktionswert, jedoch ist das Portal insgesamt sehr schön gestaltet und informativ.

Tagesanzeiger: Infografiken
Quelle: http://www.tagesanzeiger.ch/extern/storytelling/sotschi/infografiken/slopestyle.html


2. Wall Street Journal: Every Step to Sochi
Das WSJ trackt die Anzahl der Schritte und den Kalorienverbrauch von drei US-amerikanischen Wintersportlern. Das ganze geht in Richtung Sensor Journalism und passt auch zum zur Zeit sehr populären Selbstvermessungstrend.

WSJ: Calories
Quelle:http://graphicsweb.wsj.com/documents/sochi-fitbit-olympic-training/


1. New York Times: How Close They Came to Winning
Wieder einmal hat es die New York Times geschafft, einen relativ naheliegenden Ansatz kurzweilig und informativ umzusetzen. Auch die anderen interaktiven Grafiken zu Sotschi können sich sehen lassen, auch wenn es überwiegend darum geht, spezifische Techniken der jeweiligen Sportarten zu erklären. Ein Überblick über alle interaktive Olympia-Grafiken findet sich hier: http://www.nytimes.com/interactive/2014/02/11/sports/sochi-2014-interactive-stories.html

NYT: How Close They Came to Winning
Quelle: http://www.nytimes.com/interactive/2014/02/09/sports/olympics/finish-line.html?_r=2  

 

Habt ihr noch interaktive Grafiken gefunden, die es sich lohnt zu zeigen?

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